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Arsch huh, Zäng unssenander!

Gedanken zum Monatsspruch Mai

An diesem Sonntag, da ich diese Besinnung schreibe, hat die „Sendung mit der Maus“ (ARD) ihren 50. Geburtstag. Jede Sendung beginnt mit einer anderen (Fremd-)Sprache; hierzu hätte die Maus gesagt: „Das war Kölsch!“. Nicht nur Mundart, sondern auch Umgangssprache, zugegeben. „Hebt eure Hintern und macht die Zähne auseinander!“ wäre die Übertragung in ein gediegenes Hochdeutsch. Aber es ist der Titel eines Liedes von Wolfgang Niedecken (BAP) und das muss auf Kölsch sein.

Es ist aber auch mehr als nur ein Lied. „Arsch huh, Zäng ussenander!“ war das Motto einer Demonstration von 100 000 Menschen auf dem Kölner Chlodwigplatz am 9. November 1992. Ein Aufstand der Anständigen gegen Ausgrenzung, Hass und Fremdenfeindlichkeit. In den Jahren 1991 - 1993 kam es zu einer Vielzahl von Mord- und Brandanschlägen gegen türkische Zuwanderer und Flüchtlinge aus aller Welt: Mölln und Solingen im Westen, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen im Osten des gerade vereinigten Deutschlands sind nur die bekanntesten Orte.

Angesichts rassistischer und fremdenfeindlicher Gewalt gegen die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft, die sich seitdem in Wellen fortsetzt bis auf den heutigen Tag (erinnern wir uns an die Terroranschläge von Halle und Hanau im vergangenen Jahr), gilt eben nicht: Zähne zusammenbeißen, Augen schließen und irgendwie durch. Im Gegenteil: der Gott der Juden und der Christen gebietet „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ (Spr 31,8). Ich weiß nicht, wie gläubig Wolfgang Niedecken ist, aber auf jeden Fall hat er diesen Weisheitsspruch aus der jüdischen Bibel zutreffend in Kölsch übertragen und populär gemacht. Ansporn und Anspruch an uns im Jahr 2021, egal welche Mundart wir sprechen!

Klaus Waiditschka, Fürstenwalde


Wer den Text des gesamten Liedes nachlesen will, findet ihn hier: 
https://www.bap.de/songtext/arsch-huh-zaeng-ussenander

 

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31,8

 

Letzte Änderung am: 03.05.2021