Der Dom Fürstenwalde

Eine kurze Einführung

Artikel: Hubert Fickelscher

Dom Fürstenwalde - Foto Marc Willwacher
Dom Fürstenwalde - Foto Marc Willwacher

50 Jahre nach der Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges konnte der Fürstenwalder Dom am 31.10.1995 wieder seiner Bestimmung übergeben werden. In seiner äußeren Hülle bereits 1965 wieder hergestellt, dauerte es weitere 30 Jahre, bis er auch im Inneren, seiner Trümmer beräumt, wieder als Gotteshaus und Gemeindezentrum nutzbar war. Wer ihn heute betritt, erlebt eine Überraschung. 

Erwartet man gemeinhin den Anblick einer spätgotischen Hallenkirche mit ihren Säulen und steinernem Kreuzgewölbe, mit Emporen, Bankreihen und Kanzel, so steht man, nach Durchschreiten des Foyers, zunächst vor einer gläsernen Wand. Sie trennt den Eingangsbereich von dem dahinterliegenden modernen Domsaal, der als beheizte Winterkirche dient, in dem aber auch eine Vielzahl von Veranstaltungen, Vorträgen, Seminaren und öffentlichen Empfängen stattfinden.

Innenansicht - Foto Stephan Westphal
Innenansicht - Foto Stephan Westphal
Gerüste im Dom
Gerüste im Dom

Seitlich und darüber sind all die Räumlichkeiten angeordnet, die man sich heute für eine lebendige Gemeinde wünscht, die nicht nur einmal in der Woche zum Gottesdienst zusammenkommt. Proberäume für die Kantorei, Räume für Gemeindekreise, für Kinder und Jugendarbeit, Teeküchen und Toiletten. Hat man den von gläsernen Wänden begrenzten Domsaal durchschritten, betritt man das - immer noch gewaltige - Kirchenschiff. Ein Gewölbe fehlt. Stattdessen spannt sich eine Holzdecke in grosser Höhe freitragend von Außenwand zu Außenwand. Die nach der Zerstörung noch erhaltenen Säulen- und Arkadenreste wurden saniert und stehen als stumme Zeugen der Zerstörung als auch der ehemaligen Architektur im nunmehr weiten Raum und geben ihm sein besonderes Gepräge.

Sakramentenhaus - Foto Stephan Westphal
Sakramentenhaus - Foto Stephan Westphal

Ein restaurierter Barockaltar aus der ehemaligen Mönchenkirche Jüterbog schmückt den Chor. Den eigentlichen Schatz des Domes aber stellt das 500 Jahre alte Sakramentenhaus aus Pirnaer Sandstein dar. Laut Carl Friedrich Schinkel „…das schönste seiner Art im deutschsprachigen Raum…“ hat es das Inferno der Zerstörung auf schier wundersame Art überlebt. Doch diese spannende Geschichte lassen Sie sich lieber bei einer Domführung erzählen! 

Vom Chor aus Richtung Westen beeindruckt der Blick auf das mächtige Prospekt der neuen großen Domorgel, eingerahmt von den Restbögen der historischen Arkaden. Sie ist zur Zeit die größte in Brandenburg und erklingt nicht nur zu den Gottesdiensten, sondern zu vielfältigen größeren und kleinen Konzerten im Jahreslauf.

Die Symbiose von Neu und Alt, von Gotik, Barock und Moderne, von zeitgemäßer Funktionalität und Bewahrung historischer Substanz ist in beeindruckender Weise gelungen…doch schauen und hören Sie selbst! Zum Beispiel, wie Fürstenwalde 1385 zu einer der zwei brandenburgischen Domstädte wurde, warum sich die zwei polnischen Nationalheiligen am Sakramentenhaus des St. Marien-Domes befinden- und vielem Interessanten mehr!